Medikamente aus der Gruppe der GLP-1-Rezeptoragonisten können den Appetit und damit das Essverhalten beeinflussen. Erste internationale Untersuchungen zeigen Veränderungen bei Ausgaben, Portionsgrössen und der Wahl von Speisen. Für die Schweizer Gastronomie sind daraus noch keine belastbaren Umsatzprognosen ableitbar. Die Familie Wiesner Gastronomie (FWG) sieht vor allem einen Auftrag, Wahlfreiheit und Restauranterlebnis gemeinsam weiterzuentwickeln.
Erste Daten zeigen Verschiebungen, keinen einheitlichen Trend
Eine 2026 im Journal of Marketing Research veröffentlichte Untersuchung verknüpfte Befragungen zur GLP-1-Nutzung mit Transaktionsdaten eines US-Haushaltspanels. In den ersten sechs Monaten nach Beginn der Einnahme sanken die Ausgaben bei Schnellrestaurants, Cafés und anderen Limited-Service-Anbietern gemäss der Studie um 8,0 Prozent. Die Resultate stammen aus den USA und lassen sich nicht direkt auf die Schweiz oder auf sämtliche Restaurantsegmente übertragen.
Weitere Forschung zeichnet ein differenziertes Bild. Eine 2026 veröffentlichte Studie zu Essensorten und Proteinwahl fand bei GLP-1-Nutzenden sowohl eine höhere Wahrscheinlichkeit, Mahlzeiten auszulassen, als auch eine leicht höhere Wahrscheinlichkeit, Mahlzeiten ausser Haus zu beziehen. Die Unterschiede waren bei Personen mit kürzerer Einnahmedauer am stärksten. Damit spricht die bisherige Evidenz eher für veränderte Entscheidungen als für einen allgemeinen Rückzug aus der Gastronomie.
Flexibilität wird für Restaurants wichtiger
Für Gastronomiebetriebe rücken damit kleinere oder teilbare Portionen, eine unkomplizierte individuelle Zusammenstellung und eine vielfältige Auswahl stärker in den Fokus. Solche Angebote richten sich nicht nur an Menschen, die GLP-1-Medikamente nutzen. Sie entsprechen auch weiteren Bedürfnissen: Gäste möchten je nach Tageszeit, Hunger und Anlass unterschiedlich essen und dennoch am gemeinsamen Restaurantbesuch teilnehmen.
Gleichzeitig bleibt Essen ausser Haus mehr als reine Nahrungsaufnahme. Begegnung, Atmosphäre und gemeinsam verbrachte Zeit sind ein wesentlicher Teil des Restauranterlebnisses. Diese soziale Funktion verliert nicht automatisch an Bedeutung, wenn einzelne Gäste weniger essen oder anders auswählen.
Zitatentwurf – vor Publikation freizugeben«Die Abnehmspritze ist für die Gastronomie weder ein Grund für Alarmismus noch ein Thema, das wir ignorieren sollten. Wenn sich Bedürfnisse verändern, müssen Restaurants mehr Wahlfreiheit schaffen: unterschiedliche Portionsgrössen, flexible Kombinationen und vor allem ein Erlebnis, an dem alle Gäste teilhaben können.»
Daniel Wiesner, Inhaber und Co-Geschäftsführer der Familie Wiesner Gastronomie AG
Gesundheitliche Fragen gehören in medizinische Hände
Die FWG nimmt keine medizinische Bewertung einzelner Präparate vor. GLP-1-Arzneimittel sind verschreibungspflichtige Medikamente und sollen nur unter ärztlicher Begleitung eingesetzt werden. Swissmedic warnt zudem vor gefälschten, irreführenden oder nicht zugelassenen Produkten, die online oder über nicht autorisierte Kanäle angeboten werden. Für Restaurants bedeutet dies: Sie können auf veränderte Gästebedürfnisse eingehen, ohne Arzneimittel zu bewerben oder medizinische Ernährungsversprechen abzugeben.
Über die Familie Wiesner Gastronomie
Die Familie Wiesner Gastronomie AG (FWG) aus Zürich ist seit den 90er-Jahren in der Deutschschweiz tätig und gehört zu den 20 grössten Schweizer Gastronomieunternehmen. Unter dem Leitsatz «Momente schaffen, die das Leben bunter machen» bietet die FWG Gastronomie für Genuss, hohe Qualität und gemeinschaftliche Erlebnisse. Das Unternehmen wird von den Brüdern Daniel und Manuel Wiesner geführt. Zum Restaurant-Portfolio gehören Nooch Asian Kitchen, Negishi Sushi Bar, Miss Miu, Outback Lodge und Kitchen Republic. Zudem hat die Familie die FWG-Foundation für wohltätige Zwecke und für Mitarbeitende ins Leben gerufen.
Quellen und Einordnung
- Hristakeva, Liaukonytė und Feler: The No-Hunger Games, Journal of Marketing Research, 2026. US-Paneldaten; Ergebnisse sind nicht direkt auf die Schweiz übertragbar.
- Bina, Tonsor und Richards: Meal Location and Protein Choices of GLP-1 Users, Journal of Agricultural and Applied Economics, 2026. Beobachtete Zusammenhänge, keine einheitliche Kausalwirkung für alle Nutzenden.
- Swissmedic: Warnung vor gefälschten und irreführenden GLP-1-Produkten, 26. August 2025.
- FWG Medien & Downloads sowie interne FWG-Medienmitteilungen im SharePoint, abgerufen am 24. August 2026.